Der Verein

Bremer Kirchengeschichte

Grabe, wo du stehst: die Aufforderung gilt auch für die Forscher und Freunde (m./w./d.) der Bremer Kirchengeschichte. Das Gelände geht weit über den Stadtstaat hinaus und bezieht auch Erzstift und Nachbargebiete ein, die mit der Stadt und der Kirche vielfältig verbunden waren und sind.

Die zeitlich geordnete, dreibändige und repräsentative „Bremische Kirchengeschichte“ setzt ein mit der Bistumsgründung und der beginnenden Christianisierung im Kontext der Sachsenkriege unter dem Frankenkönig Karl dem Großen. Für ihn waren Christianisierung und Landesherrschaft die beiden Seiten einer Medaille. An der Verbreitung und Konsolidierung der neuen Religion hatten Klöster entscheidenden Anteil: Corvey, Osterholz, Rastede, Bassum, welche die Urbarmachung des Landes vorantrieben, Ansiedlung förderten und mit der Bremer Kirche in unterschiedlicher Weise verbunden waren.

Die mittelalterliche, katholische „Epoche“, die rund 700 Jahre dauerte, schuf Grundlagen, die nach der Einführung der Reformation zum Teil weiterbestanden, aber auch entscheidend verändert wurden. Weiterentwicklung und Neuerungen betrafen die Stellung des Erzbischofs und sein Verhältnis zur Stadt, sie betrafen die christliche Lehre, die Interpretation der Überlieferung. Sie schufen eine Kirchenordnung auf regionaler Basis, regelten Schul- und Fürsorgewesen und beeinflussten die Lebensverhältnisse in vielfältiger Weise. Man hat deshalb häufig von einem Paradigmenwechsel gesprochen, was nicht ausschließt, dass die Forschung verstärkt auf Kontinuität und auf Diskontinuität zwischen katholischem Mittelalter und reformatorischer Neuzeit achtet – auf die Bedeutung der traditionellen Stände, auf die einfachen, armen Leute in Stadt und Land und ihre politisch-religiöse Verankerung. Klöster, Kirchen, Schulen werden geschlossen oder gewinnen einen neuen Zuschnitt und eine neue Verwendung. Religiöse Flüchtlinge werden aufgenommen, die Theologie nimmt Anregungen des Pietismus und der Aufklärung auf. Kriege verändern die politisch-religiöse Landschaft. Mit und nach der Französischen Revolution stellen sich verstärkt Probleme einer Volksbeteiligung. Die soziale Frage wird zum zentralen Thema des 19. Jahrhunderts Auswanderung und Zuwanderung prägen Bremen und Bremerhaven in besonderem Maße – all diese großen Bewegungen sind auch Herausforderung für Religion und Kirche. Sie konkretisieren sich in markanten Persönlichkeiten. Beispielhaft genannt seien

  • Christoph Pezelius (1539 – 1604), der die reformierte Konfessionalisierung Bremens energisch vorantrieb,
  • Johannes Molanus (ca. 1515 – 1583), der als Rektor das Gymnasium Illustre zu einer anerkannten Bildungsstätte im Sinne eines reformatorischen Humanismus ausbaute,
  • Pastor Rudolph Dulon (1807 – 1870), der im Zuge der revolutionären Bewegungen in Europa 1848/49 energisch für demokratische Verhältnisse in Bremen eintrat.
  • Pastor Georg Treviranus (1788 – 1868), der im Zuge der Inneren Mission erfolgreiche Sozial- und Bildungsaktivitäten umsetzte.
  • Bürgermeister Theodor Spitta (1873 – 1969), der sich um eine zeitgemäße Kirchenverfassung, um Schul- und Kulturpolitik seiner Heimatstadt große Verdienste erwarb.

Katholischen und jüdischen Bewohnern wurden im Verlauf des 19. Jahrhunderts mit den Bürgerrechten auch eigene Organisationsformen zugestanden, die das religiöse, das soziale und wirtschaftliche Leben der Stadt bereicherten.

Grabe, wo du stehst: Kirchengeschichte wird dort anschaulich und spannend, wo sie sich den konkreten Lebensverhältnissen der Menschen zuwendet, in welche Religion und Kirche eingebettet bleiben. Eine derartige Vernetzung besitzt auch für Gegenwart und Zukunft Geltung. Sie schaut auf die Notwendigkeit einer Ökumene vor Ort. Sie registriert eine zunehmende Säkularisierung der Gesellschaft. Sie sucht das christlich-humanitäre Erbe, welches in beeindruckenden Kirchenbauten und sozialen Institutionen (Diakonie, Caritas) greifbar wird, zu erhalten und zu pflegen. Geschichte als Lehrmeisterin des Lebens – historia magistra vitae bleibt angesichts drohender Verluste auf vielen Gebieten eine dauernde Aufgabe und eine dankbare Verpflichtung.